Bildung und digitales Lernen sind Menschenrecht und ein Muss für eine moderne Wirtschaft und Gesellschaft

Bildung und Wissen: Bedeutung für uns Menschen

Bildung und Wissen sind die Eintrittskarte zum modernen Arbeitsleben und der Katalysator unseres Lebens; sie bedeuten Chancen und Möglichkeiten zur sozi – ökonomischer Selbst Verwirklichung, persönlicher Entfaltung und stellen auch die Basis gelebter freiheitlicher Demokratie dar. Noch niemals zuvor in der Kulturgeschichte des Menschen erlangte Wissen einen derartigen Stellenwert für Gesellschaft, Wirtschaft und den Einzelnen. In der Wirtschaft nimmt es die Rolle eines konstruierenden Instrumentes ein, mit dessen Hilfe geldwerte Dienste und Produkte erschaffen werden. Im Gemeinwesen und der Politik steuert, reguliert und orientiert es uns und unser Tun. Für unser eigenes ich wird es zum Gestalter der wahrgenommen Welt, die sich in unserem Kopf abbildet. Nur so begreifen wir die Wirklichkeit, ihre Strukturen und Prozesse -  mal mehr oder weniger, je nach dem über welche Menge und Qualität an Wissen wir verfügen, und mit welchen geistigem Instrumentarium wir es erfassen, ordnen und interpretieren.

Als Träger des Wissens galten im traditionellen Sinne bisher das gesprochene Wort, d.h. die mündliche Überlieferung von einer Generation zur nächsten; und das geschriebene Wort, das nun unabhängig von der Existenz oder lokalen Anwesenheit des Erschaffers oder Autors für alle Menschen aller Generationen zugänglich und archiviert werden konnte. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern, stellte die letzte traditionelle Kulturtechnik für die Wissensverbreitung dar. Das Element der Massenverfielfältigung kam nun zu dem des dauerhaften Bestandes hinzu.

Digitale Klüfte zwischen den Welten

Mit dem Aufkommen von Computer und Internet trat die Wissensverbreitung (oder Bildung) in eine neue Phase ein; sie erreichte eine Stufe, die von der wirtschaftlichen Revolution gefordert und getriggert worden ist. Wissen wurde viel, komplex und spezifisch. Es musste nun in Massen organisiert, strukturiert und vor allem auch: in Beziehung zueinander gesetzt werden. Dies geschieht auf den Festplatten unserer Computer, und über die Vernetzung durch das Internet. Es geschieht digital, nicht mehr analog. Die Vermittlung des Wissens im engeren Sinne  blieb indes – selbst in fortgeschrittenen Industrieländern wie Deutschland – analog; oder sagen wir vielleicht besser – nicht besonders optimiert hin Hinsicht auf Effiziens und Effektivität.

Die Bildung in den Schulen wird immer noch überwiegend als klassischer Frontalunterricht an den Kreidetafeln verstanden und auch so praktiziert. Der einzige PC hat – wenn überhaupt – der Lehrer vor sich liegen, der dann vielleicht über dem Beamer Dokumente, Bilder und Filme der Klasse darbietet. An den Hochschulen entwickelte sich dagegen eine sehr ausgeprägte digitale Bildungskultur heraus: Studenten sind über hot spots drahtlos mit dem Uni Intranet vernetzt. Sie benutzen Datenbanken, Chatsysteme, Gruppen Online – Management Systeme (Groupeware) und Programme zum digitalen Lernen. Online Seminare und Vorlesungen sind genauso üblich geworden wie die Benutzung von Online – Lernprogrammen.

So sind also vor allem die einführenden Schulen noch unter versorgt mit digitalen Lernmedien – nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch bei uns hier in Deutschland. Es gibt hierzulande eine digitale Kluft zwischen einführenden Schulen, vor allem den Hauptschulen, Realschulen und teilweise auch in den staatlichen Gymnasien einerseits und den Hochschulen und privaten Gymnasien andererseits.

Einen Situationsbericht dazu findet sich auf der Hompage der Initiative D21. Auf den Seiten von schulen-ans-netz.de werden Projekte, Studien und Diskussionen zum Thema “digitale Schulen” vorgestellt.

Schulen ans Netz: in Deutschland noch zu wenig

Eine weitere digitale Kluft besteht zwischen den Ländern der ersten Welt und denen der 2. bzw. 3. Welt. Es ist leicht zu ersehen: je mehr Geld für Bildung und Kommunikation zur Verfügung steht, desto besser sind Schulen, Universitäten und andere Lehrinstitutionen mit digitalen Unterrichts Medien ausgestattet, desto besser stehen die späteren Chancen der Menschen auf soziale und ökonomische Integration; und desto höher liegt die allgemeine Lebensqualität.

Wer nicht up to date ist, wird nicht mehr gebraucht

Da sich viele Familien den Kauf eines Laptops für die Ausbildung ihrer Kinder nicht leisten können, sind gerade diese in der Bildung und damit im späteren Berufsleben benachteiligt. Nur wer schon frühzeitig an digitale Medien herangeführt wird, deren effektiven Gebrauch erlernt, hat eine Chance sich im harten Konkurrenzkampf des Arbeitsmarktes zu behaupten; denn nur, wer stets den aktuellen Wissenstand parad hat, sich quasi immer wieder neu über das Internet updated, der kann sich als kompetent profilieren und verfügt über das gebrauchte know how für die aktuelle Arbeitsanforderung. Wer nicht up to date ist, wird nicht gebraucht.

Forderungen an die Politik

(1) Neue Lehrkonzeptionen und reformierte Lehrer Ausbildung

Unsere Schulen brauchen eine neue Unterrichtskonzeption, die weg vom klassischen Frontalunterricht hin zu Projekt bezogenen und multimedial unterstützten “Aktivierungs Unterricht” führt. Alle Schüler müssen – unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern – über digitale Lernmedien und Zugang zum Internet verfügen. Die Lehrer Ausbildung an den Universitäten muss bezüglich Medienkompetenz und Unterrichtsmethodiken dringend reformiert werden. Der praktische Bezug muss bereits während des Studium eine viel stärkere Gewichtung erfahren. Erste Kontakte zu Schülern sollte es nicht erst im Referentariat odder einem kleinen Vorpraktikum geben, sondern sollte immer Bestandteil von Seminaren und Übungen sein.

(2) Laptops, Internetanschluss und andere moderne Medien für alle Schulen

Unsere Schulen brauchen Hardware: Schüler gerechte Laptops, die sowohl für die heimischen Hausaufgaben, als auch zum täglichen Schulunterricht benutzt werden können. Nicht nur privat finanzierte Schulen, sondern gerade auch staatlich getragene und finanzierte Schulen müssen damit ausgestattet werden. Dies ist ein Gebot der Bildungsgerechtigkeit.

(3) Freier Internetanschluss für alle

Bildung ist Menschenrecht, das nicht vom Einkommen abhängig sein darf. Oder vom Alter. Unsere moderne Gesellschaft braucht lebenslanges Lernen für Beruf, Politik und Privatleben. Daher muss Internet für alle kostenlos zur Verfügung stehen, ganz so ähnlich wie die Verkehrsinfrastruktur. Strassen sind für alle da. Da wird auch nicht erst gefragt, he, Autofahrer: hast du genügend Geld, um meine Landstrasse befahren zu können?

(4) Lernmittelfreiheit finanzieren  anstelle von Lobby – Unterstützung

Bücher, Mappen, Ranzen, Schreibmaterialien sind genauso frei Lernmittel, wie Laptop und Internetanschluss. Zu teuer werden Wirtschaft und Politik sagen, wir geben das Geld lieber für unsere Lobby zum Wohle unsere Klientel aus. Diese Praxis muss gebrochen werden.

(5) Aufbau eines bundesweiten Lernnetzwerkes, das unter öffentlicher Kontrolle steht

…und nicht unter der von Profit orientierten Privat Unternehmen.

In Anbetracht dessen, dass unsere (Un)Bildungsministern Frau (Dr.) Schavan heisst, erwarte ich folgende Impulse von der aktuellen Regierung: nada

na dann, warten wir auf die nächste Wahl,  danach gibt es vielleicht eine Bildungsministerin und keine Lobbyvertreterin der privaten Lernwirtschaft

viele Grüße

René Brandstädter

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2 Antworten zu Bildung und digitales Lernen sind Menschenrecht und ein Muss für eine moderne Wirtschaft und Gesellschaft

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